Reflektion: Jeden Tag etwas Gutes

Der Kalender vor Weihnachten war eine gute Idee. Ich habe nicht über jeden Tag geschrieben, so wie ich es mir eigentlich gedacht hatte. Aber ich habe gemerkt: Sich jeden Tag etwas Gutes zu tun oder das Bewusstsein zu haben, für sich zu sein, für einen Moment, das habe ich mehr verlernt als ich dachte.
Es fiel mir nicht leicht, mich auf mich einzulassen und mir selbst Zeit zu nehmen, auf meine inneren Stimmen zu hören. Das liegt gar nicht mal so sehr an der zeitraubenden Vorweihnachtszeit. Nein. Denn Zeit, nun, die kann man sich nehmen. 5 Minuten. 10 Minuten. Das ist nicht viel Zeit. Das nimmt nicht viel in Anspruch. Und doch. Warum fiel es mir so schwer? Was war so herausfordernd daran?

Im Rückblick denke ich: Die Ruhe erst einmal zu ertragen war das Schwierige. Die Ruhe, die um einen entsteht, wenn man alles ausschließt, um zur Ruhe zu kommen. Kein Radio, kein Fernseher, keine Stimmen anderer Menschen. Nur ich, mit mir. Mein Atem, meine Gedanken, mein Körper, mein Fühlen.
Das war beängstigend.
Ich habe erkannt: Es gibt etwas, vor dem habe ich Angst. Und das bin ich selbst. Nicht, dass etwas Schlechtes auf mich wartet. Nein. Es gibt kein Monster, das ausbrechen will. Es gibt nur etwas Gutes. Und vor dem habe ich (noch) Angst. Ich wollte unbedingt eine Erleuchtung, eine Erkenntnis, das große Erwachen. Doch fürs Erste habe ich entdeckt, dass etwas in mir schläft oder vielleicht einfach nur zugestellt wurde. Etwas, das wichtig ist für mich, ein wichtiger Teil. Dieser Teil hat Angst. Und diese Angst spüre ich, wenn ich mit mir bin. Wenn ich ruhig bin.

Noch fällt es mir schwer, dieses Gefühl auszuhalten, es festzuhalten. Doch der Zugang ist nun da. Und ich werde den Weg wieder finden, wenn es soweit ist.

Was ich auch gelernt habe: Es fällt mir schon schwer, das Gute in mein Leben zu lassen. Wie ist es dann für Menschen, die den Weg, den Ausweg schon gar nicht mehr sehen können oder nur noch ganz, ganz leise ahnen, dass er da ist? Ich möchte eine helfende Hand sein, ein helfendes, hörendes Ohr. Denn es kann das Wichtigste auf der Welt sein, einem anderen Menschen Zeit zu schenken, und seien es auch nur 10 Minuten. Oder 5.

Ich wünsche mir für dieses Jahr, dass ich Zeit geben kann, wenn sie gebraucht wird. Für mich selbst und für andere, die sie von mir brauchen.

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